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Auf der obersten Talstufe des Kleinarltales liegt ein schöner, dunkler Bergsee, der Tappenkarsee. Steil aufragende Felsen schließen ihn ein, und nur an seinem südlichsten Ufer steigen sumpfige Wiesenhänge empor. „Wurmfeld“ nennen noch heute die Sennen diesen Hang. Wir erzählen Ihnen die Geschichte dazu.

Der Lindwurm vom Tappenkarsee

Im Wurmfeld hauste vor langen Zeiten ein mächtiger Lindwurm. In weitem Bogen umgingen Hirten und Jäger den gefürchteten Ort. Kaum getrauten sie sich, ihre Blicke dorthin zu lenken. Hilflos mußten sie zusehen, wie das hungrige Ungeheuer ihre Pferde, Kühe und Schafe zerriß. Keiner von ihnen wagte sich an das schreckliche Tier heran. Sie bebten schon vor Entsetzen, wenn der grüne Wurm die Wiese herabkam und seinen gräßlichen Leib in die Fluten des Sees tauchte, so daß das Wasser hoch aufspritzte.

Als die Leute wieder einmal, von Grauen geschüttelt, den badenden Lindwurm vom Tappenkarsee beobachteten, wußten sie plötzlich einen Rat. Durch List wollten sie erreichen, was sie durch Kraft und Mut nicht vermochten. Sie holten eine alte Kuhhaut hervor und stopften sie mit Moos voll, bis die alte Haut einer lebendigen Kuh ähnlich sah. An jene Stelle aber, an der Kühe den Magen haben, gaben sie ein Päckchen Zündpulver. Dann wurde noch ein langes Rohr, der Schlund, wie sie sagten, der Kuh ins Maul gesteckt bis hinein zu ihrem Pulvermagen. Es war wohl das Zündrohr, damit das Pulver da drinnen seinen Zweck erfülle. „Das soll ein Leckerbissen für den Drachen werden, an den er sein Leben denkt!“ dachten die Leute grimmig. Dann übergaben sie ihre Kuh den kühlen Fluten.

Diese war auch nicht lange darin herumgeschwommen, als auch schon das Ungeheuer die Weise herab dem See zugekrochen kam. Im nächsten Augenblick steuerte der Drache mit gierigen Augen und häßlich geöffnetem Rachen der Kuh zu. Der Drache schnellte aus dem Wasser empor, und schon hatte er die Kuh verschlungen, als wäre sie nur ein ganz kleiner Bissen. In der nächsten Minute schoß eine Flamme auf, ein Knall folgte, und zwischen Rauch und aufspritzendem Wasser sah man den Drachenleib, in hundert Stücke zerrissen, in die Luft fliegen. Langsam krochen die Männer aus ihrem Versteck hervor und eilten zum See. Da schwammen die Teile des häßlichen Körpers, unförmigen Klumpen gleich, umher. Nun gingen die Leute frohgemut in ihre Hütten und freuten sich des gelungenen Streiches, und das ganze Tal freute sich mit ihnen.

Eine Sage mehrere Varianten

Eine andere Version der Sage meint aber, der Lindwurm vom Tappenkarsee wache noch immer am Grund und werde einst die Felsen sprengen und dann werde der See das ganze Tal überschwemmen, die Wasser werden in Wagrain bis Unter- und Oberpenk hinauf reichen und alles unter sich begraben.

Eine dunkle Sage weiß von einer schönen „Tappenkarfrau“ zu erzählen, die einen benachbarten Rittersohn liebte. Sie wollte sein Weib werden, wenn er den Lindwurm vom Tappenkarsee töte. Er wagte es und ging dabei wie alle anderen zugrunde. Diese Frau schenkte daraufhin alle ihre Almen der „Gmain“ und stürzte sich dann selbst in den See.

Im See soll auch ein geheimnisvoller Wassergeiste herrschen. Ein Jäger wollte einst den See ausloten. Da erscholl eine schauerliche Stimme aus derTiefe und rief: „Ergründest du mich, so schlünd ich dich.“

Dürlinger schreibt[1]: Laut einer alten Handschrift „ist auf dem Tappen-Khar im Moß unter dem Wasen ein prauner Letten, darin ist praunfarbener Schlich, klein und margasitisch, giebt eine lautere Goldprob. Hinten bei dem See im Bach hat es hohe Wäsen, wie die Wand, darin liegt auch ein brauner Letten, darin ist ein rechter Schlich, darauf liegt wieder ein brauner Letten, darin ist Schlich, giebt das Pft. 2 Loth Gold[2]. Unter ein Brünnlein hoch am Faulkogel setzten einst Wälsche regelmäßig eine Kanne unter, welche sich allmählich mit Gold füllte. Ebenso kamen auf den Lederberg oder das Gemeindekar alle zwei Jahre Wälsche mit Ränzlein und füllten diese bei einer gewissen verborgenen Quelle mit Goldsand; anno 1803 kamen sie zum letzten Mal.“ [3]

Tappenkar – Der Name

Der seltene Name Tappenkar ist in verschiedenen Schreibformen zu finden, so wie heute im 15. Und 16. Jh., dann 1653 Dabbenkar, 1628 Tatpenkar oder Tothenkar, 1728 Dabenkar und seither wieder Tappenkar. August Prinzinger d. Ä. leitet den Namen von „[E]tappe“ = Rast- oder Ruheort, der Sprachforscher Frisch vom altdeutschen „tapin“, d. h. versteckt, verschlossen, abgeschlossenes Kar ab. Andere deuten den Namen nach dem keltischen „Drapfen“ d. h. Kuhweide. Wieder andere nennen das niederländische Wort „tappe“ = Pforte oder Tatze als Grundlage. Jede Deutung hat etwas für sich [4].

(Auszug aus der Wagrainer Ortschronik: Ellmer (1994). Wakhrein – Die alte Hofmark, Band 1, S. 322 – 324. Eigenverlag.)


[1] In seinem hist.-stat. Handbuch des Pongaues, 1867 herausgegeben, S. 288.

[2] MGSL 1863, S. 265

[3] Dürlinger, S. 288

[4] MS.