Teufelskralle, Ferkelkraut, Klappertopf, Drachenmaul, Katzenpfötchen. Nein, das sind keine mystischen Sagenfiguren, sondern Bezeichnungen von Blumen, die bei einer Wanderung unsere Wege kreuzen – wenn man nur genau hinsieht! Wo sich ungewöhnliche Pflanzen in Österreich verstecken, verraten wir euch hier!

Jasmin Bacher begeisterte Wanderin
Die Blumenwelt beim Wandern zu entdecken begeistert mich immer sehr.


Wildblumen entdecken 5 ungewöhnliche Pflanzen und wo ihr sie findet


Kärntner Klappertopf Der Milchdieb


Klappertopf, Pixabay

Seinen Trivialnamen verdankt der Klappertopf den reifen Früchten, in denen laut die Samen klappern, wenn sie bewegt werden. Seinen Spottnamen “Milchdieb” oder “Milchschelm” – wie er im Volksmund gerne genannt wird – verdankt die gelb blühende Pflanze der Tatsache, dass andere (Futter-)Pflanzen in der Nachbarschaft des Halbschmarotzers weniger gut gedeihen. Den Kärntner Klappertopf finden aufmerksame Wandersleute auf der Saualpe in Kärnten (Lavanttal) und auf dem Zirbitzkogel in der Steiermark (Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen). Er ist ein Endemit – eine Pflanze oder ein Tier, das in einem sehr eng begrenzten Gebiet vorkommt – und gedeiht aufgrund des Glimmerschiefers und dessen Kalkgehalts nur auf diesen Bergen.


(Weißer) Enzian Ein treuer Almbewohner


weißer Enzian, Pixabay

„Der Enzian ist nun wirklich keine ungewöhnliche Pflanze“, hören wir euch sagen! Stimmt, sagen wir! Der Blaue Enzian ist quasi das Sinnbild für die Alpenflora. Viele unterschiedliche Sorten der Blume tauchen die Berge beinahe das ganze Jahr über in sattes Blau. Wer aber mit offenen Augen auf dem Berg spaziert, wird in vereinzelten Fällen den sagenumwobenen Weißen Enzian entdecken. Der “Kochscher Enzian” ist wild wachsend und weitab der markierten Wege zu finden. Schätzungsweise gibt es unter 5000 blauen Enzianen einen weißen Enzian. Was die Suche erschweren könnte: Meistens sind sie gar nicht reinweiß. Durch eine Pigmentstörung erscheinen sie eher leicht bläulich oder weisen im Inneren des Blütenkelches vereinzelt blaue Farbtupfer auf. Etwas Besonderes sind sie aber allemal!


Orchidee Eine königliche Wiesenbewohnerin


Frauenschuh, Orchidee © TVB Filzmoos, Alfred Hahn

Wer schon einmal versucht hat, eine Orchidee zu Hause zum Blühen zu bringen, weiß, dass sich die Königin der Blumen gerne ziert. Selbst in freier Natur braucht die Pflanze optimale Bedingungen, um zu gedeihen. Umso besonderer ist es, dass auf dem Filzmooser Leckkogel das Zuhause von rund 25 verschiedenen Orchideen-Arten ist: Der Gelbe Frauenschuh, das unscheinbare Zweiblatt, das lilafarbene Fuchsknabenkraut, die Grünliche Waldhyazinthe oder das Steiermark-Kohlröschen, das erst 1996 in Filzmoos entdeckt wurde und an zwölf Standorten überhaupt wächst. Viele der zum Teil sehr seltenen Orchideen sind nur wenige Zentimeter hoch, genau hinsehen lohnt sich also!


Dünnsporn-Fettkraut Kleine Fleischfresser


Pinguicula leptoceras, Shutterstock

Dieser kleine Fleischfresser ist ein Alpen-Endemit kommt nur in der Schweiz, in Westösterreich, Südostfrankreich und Norditalien vor. In Österreich muss man hoch hinauf, um die Pflanze zu entdecken. Im Vorarlberger Bregenzerwald liegt auf 1850 m die Alpe Bizau: Das Moorgebiet ist das Zuhause der bis zu 10 cm hohen Pflanze. Da in einem Moor absterbende Pflanzen und Tiere im Wasser quasi konserviert werden, stehen die in ihnen gespeicherten Nährstoffe anderen Lebewesen nicht zur Verfügung. Um zu überleben, müssen sich die Pflanzen also anders helfen: Das Dünnsporn-Fettkraut holt sich die Nährstoffe über seine fettig-glänzenden Blätter, an denen kleine Insekten und Pollen kleben bleiben. Mahlzeit!


Rundblättriger Sonnentau Hungriger Sonnenanbeter


Sonnentau, Pixabay

Von den Mooren Westösterreichs wandern wir zu den Mooren Ostösterreichs. Genauer gesagt zu dem rund 10 Hektar großen Naturpark Heidenreichsteiner Moor im Waldviertel. Hier lebt der Rundblättrige Sonnentau, der kleine Insekten mithilfe eines klebrigen Sekrets an seinen rötlichen, länglichen Stieldrüsen fängt – und verspeist. Wie andere fleischfressende Pflanzen ist der Sonnentau lichtbedürftig und kann nicht im Wald gedeihen, auf nährstoffreichen Wiesen und Weiden würde er von Gräsern und Stauden verdrängt werden. Das nährstoffarme Moor ist also der ideale Lebensraum. Um nicht selbst konserviert zu werden, bewundern Spazierende die Pflanzen am besten von dem Steg aus, der durch die Hochmoorfläche führt.


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